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April - regional, saisonal und süß
Nachhaltigkeit

April - regional, saisonal und süß

Es gibt Momente, da läuft man an einer Wiese vorbei und denkt: Das wäre doch schade diese Kräuter und Blumen einfach wieder verwelken zu lassen, wenn man sie doch auch gut verwerten könnte. Der Löwenzahn steht in voller Blüte, die Gänseblümchen strecken ihre Köpfchen der Sonne entgegen, und am Waldrand unter den Buchen duftet es schon nach Waldmeister. Alles ist kostbar, essbar und steckt voller erstaunlicher Wirkungen. Man muss es nur mitnehmen.

In den letzten Tagen habe ich mich drei mal ans Einkochen gewagt, etwas, das mir bisher immer zu großen Respekt eingeflößt hat und wurde drei mal mit einem leisen Zufriedenheitsgefühl belohnt. Es ist toll ein frisch befülltes Glas in der Hand zu halten und zu wissen: Das kommt aus dem Garten oder habe ich vor ein paar Stunden im Wald gepflückt und erfolgreich verarbeitet.

Löwenzahnsirup - Wildwuchs im Glas

Der Löwenzahn ist ein unterschätztes Gewächs, seit Jahrhunderten gilt er als Heilmittel. Er soll gut gegen Frühjahrsmüdigkeit sein, Leber und Galle unterstützen und den Blutzuckerspiegel und Darm ins Gleichgewicht bringen. Und das tolle, bis auf die milchige Flüssigkeit im Inneren der Halme ist alles an dieser tollen Pflanze essbar. Er ist geeignet für Tee, Salate oder einen leckeren grünen Smoothie. Alternativ - wenn es weniger gesund sein darf- für Sirup.

Für eine gute Flasche Löwenzahnsirup braucht es erstaunlich wenig: 200 Gramm Löwenzahnblüten, 800 Gramm Rohrzucker, eine Bio-Orange und 800 Milliliter Wasser. Die Blütenblätter werden mit einer in Scheiben geschnittenen Orange in einen Topf gegeben und mit Wasser aufgegossen, das Ganze bleibt für 24 Stunden einfach stehen - als hätte der Frühling selbst einen Moment Zeit. Nach dem Abseihen wird die Flüssigkeit mit dem Zucker aufgekocht. Die Gläser mit kochend heißem Sirup zu füllen fühlt sich aufregend an.

Gänseblümchengelee - ein Experiment

Das Gänseblümchen ist die nächste Heilpflanze, die der April gibt. Das kleine weiße Blümchen hilft bei Haut- und Verdauungsproblemen sowie bei Erkältungen. Es steckt voller Vitamin C und die Bitterstoffe regen die Verdauung an und unterstützen den Stoffwechsel.

Für den Gelee mit dem niedlichen Namen zwei bis vier Handvoll Gänseblümchen, der Saft von zwei Biozitronen, ein Kilo 2:1-Gelierzucker, zwei Liter Apfelsaft, verwenden. Die Gänseblümchen werden gewaschen, dann dürfen sie über Nacht im Apfelsaft ziehen. Am nächsten Tag werden die Blüten abgefiltert, der Zucker und Zitronensaft kommen dazu, es wird 5 Minuten gekocht und anschließend in die sterilisierten Gläser gefüllt. Diese fest verschließen und hoffen, dass etwas Frische überdauert. Nachhaltigkeit kann so etwas Schönes und gut Duftendes sein.

Waldmeistersirup

Auch der Waldmeister blickt auf eine lange Vergangenheit als Heilmittel zurück. Ihm wir eine krampflösende, entzündungshemmende und gefäßerweiternde Wirkung zugesprochen. Der Verzehr von zu viel Waldmeister kann jedoch zu Kopfschmerzen führen. Er ist heimisch in Laubwäldern oder Gärten, winterhart, mehrjährig und bildet schnell neue Ausläufer. Die 5-50cm hohen, aromatisch duftenden Pflanzen findet man zwischen April und Mai.

Für den Sirup 150g frischen Waldmeister, zwei Bio-Zitronen, 800g Zucker, zwei Liter Wasser verwenden. Den Waldmeister waschen und 24 Stunden in dem Wasser mit der Zitrone ziehen lassen, dann den Sirup mit dem Zucker kochen. Klingt unkompliziert – und trotzdem hat mich dieses Rezept am meisten gefordert. Denn ans Sirup kochen hatte ich mich bisher nie rangetraut. Es muss schnell gehen, sauber und genau. Das Pflücken des Waldmeisters war noch ganz einfach und ein tolles Erlebnis (so unter den heimischen Buchen rumzukraxeln macht eben immer Spaß). Aber diese Kombination aus heißen Flüssigkeiten, Zeitdruck und dem Wunsch, nichts falsch zu machen, hat mir Respekt eingeflößt. Gleichzeitig fasziniert mich genau das seit Jahren. Und einmal rangetraut stellte ich schnell fest, dass es durchaus machbar ist und zu einem tollen Gefühl der Zufriedenheit führt. Etwas Selbstgemachtes in der Hand zu halten ist immer etwas Besonderes.

Einige Flaschen und Gläser und ein paar Stunden Arbeit ergeben einen Vorrat aus dem, was gerade wächst – und das Wissen, dass man die Saison nicht einfach hat vorbeiziehen lassen.

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