Montessori
Hilf mir, es selbst zu tun
Es gibt Sätze, die bleiben hängen. "Hilf mir, es selbst zu tun" ist so einer. Er stammt von Maria Montessori *1870 – Ärztin, Reformpädagogin, und jemand, die ihre Ideen nicht am Schreibtisch entwickelt hat, sondern im Kontakt mit Kindern. Mit armen Kindern, mit Kindern, die besondere Bedürfnisse hatten. Mit Menschen also, bei denen viele damals nicht viel erwartet hätten.
Und dann schnitten diese Kinder in Prüfungen besser ab als Gleichaltrige ohne jede Einschränkung. Das hat mich nachdenklich gemacht. Nicht weil das Ergebnis so überraschend wäre – sondern weil es zeigt, was passiert, wenn man Kinder entsprechend ihrer Bedürfnisse und Interessen unterstützt und fördert.
Eine Ja-Umgebung
Einer der Grundgedanken in der Montessori-Pädagogik ist die Gestaltung der Lernumgebung. Nicht im Sinne von Dekoration, sondern als echte Einladung dem Entdeckergeist einen ansprechenden Raum zu schaffen. Eine sogenannte Ja-Umgebung – ein Raum, in dem das Kind seinem Entdeckungsdrang nachgehen kann, ohne auf Schritt und Tritt auf Grenzen zu stoßen und permanent ein „Nein“ zu hören zu bekommen.
Das bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist. Es bedeutet, dass ich als Erwachsener die Umgebung so vorbereite, dass sie dem Kind gerecht wird – dass sie das Kind dort abholt, wo es in seiner Entwicklung und mit seinen Interessen gerade ist. Anregend, aber nicht überfordernd. Das Gleichgewicht zwischen beidem scheint mir der eigentliche Knackpunkt zu sein, den es gewissermaßen auszubalancieren gilt.
Sensible Phasen – wenn das Zeitfenster offen steht
Montessori hat beobachtet, dass Kinder bestimmte Fähigkeiten in bestimmten Zeiträumen mit einer besonderen Intensität entwickeln. Sprache, Ordnung, motorische Fähigkeiten, winzige Details – Dinge, die Erwachsene längst nicht mehr bewusst wahrnehmen. Oder Manieren und Höflichkeit, die plötzlich ein echtes Thema werden.
Diese sogenannten sensiblen Phasen vergehen wieder. Wenn Erwachsene sie bemerken, können sie passend begleiten – mit Material, mit Aufmerksamkeit, mit Raum. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. So viel Hilfestellung wie nötig, heißt es bei Montessori. Der Satz steckt voller Respekt und ermutigt mich die Entwicklung des Kindes gut zu beobachten.
Das Kind als eigenständige Person
Was mir an dem Ansatz ebenfalls gefällt, ist der Grundton zwischen Erwachsenen und Kindern: das Kind nicht als Projekt zu sehen, sondern als eigenständige Person. Es bedingungslos anzunehmen, so wie es ist. Mit eigenem Tempo, eigener Neugier, eigenen Gefühlen – die ernst genommen werden wollen und der eigenen Persönlichkeit inklusive aller Macken und Eigenarten.
Die Beziehung zwischen Kind, Erwachsenem und Lernumgebung steht immer in Wechselwirkung. Das Kind entwickelt sein eigenes Lernen. Der Erwachsene bereitet den Boden dafür vor.


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